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Digitalisierung im Handwerk

Eine Erfolgsgeschichte, erzählt von Thomas Hänel-Schwarz, Geschäftsführer der Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH

Auslöser

Mit unserer langjährigen Erfahrung im Bereich Orthopädie- und Rehatechnik mit hoher Regionalität sahen wir uns vor allem in den letzten Jahren zunehmend mit den Herausforderungen der Digitalisierung konfrontiert. Intern nutzen wir Chancen im Bereich der Vereinfachung und Verschlankung von Prozessen. Die Verwaltung im Unternehmen sollte ressourcenschonender gestaltet und die Arbeitsbedingungen unserer Mitarbeitenden erleichtert werden. Vor allem Letzteres sollte uns zusätzlich als modernes Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt zeigen, um auch attraktiv für neue Mitarbeitende zu sein und die allgemeine Mitarbeitermotivation im Unternehmen zu erhöhen.

Konkret sind wir die digitale Archivierung von Dokumenten angegangen, um insgesamt papierloser zu arbeiten. Zudem haben wir Kataloge und Maßblätter digital gestalten wollen. Des Weiteren haben wir uns im handwerklichen Bereich vor allem auf das Maßnehmen in der Orthopädietechnik fokussiert. Bisher war dieser Prozess für unsere Mitarbeitenden sehr zeit- und kraftaufwendig. Beispielsweise mussten für Orthesen oder Prothesen Gipsabdrücke am Rumpf oder dem jeweiligen Stumpf genommen werden. Im Fertigungsprozess wurden diese händisch so bearbeitet, dass mögliche Druckstellen minimiert werden konnten. Allein das Heben war für die Mitarbeitenden sehr kraftaufwendig. Es war somit ein intensiver, aber natürlich wichtiger Prozess, um die Produkte kundenindividuell zu gestalten.

Der Schlüssel zum Erfolg

Die Digitalisierung in Verwaltung und in unserem eigentlichen Handwerk begann für uns vor circa 10 Jahren und verlief stufenweise. Die ersten Anschaffungen bestanden in einer 5-Achs-Fräse, dem dazugehörigen Scanner und der notwendigen Bearbeitungssoftware. Damit sind wir nun in der Lage, die betreffenden Bereiche der Kunden zu scannen und damit sehr exakte Maße nehmen zu können. Am Computer wird gemeinsam mit dem Kunden das entsprechende Körperteil modelliert und gleichzeitig werden die Druckstellen reduziert. Dann wird die Datei an unsere Fräse gesendet, welche Schaumstoff oder Holz so bearbeitet, dass wir einen Positivabdruck erhalten.

Der Prozess ist damit vor allem für unsere Mitarbeitenden wesentlich besser gestaltet. Es muss nicht mehr schwer gehoben werden, es gibt keine Staubbelastung beim Schleifen der Gipsabdrücke mehr und während die Fräse die Daten eines Kunden in einen Schaumstoffabdruck umsetzt, kann bereits der nächste Kunde bedient werden. Dies bedeutet eine wesentliche Zeitersparnis, und es steht am Ende ein noch passgenaueres Produkt für den Kunden. Wir haben uns damit in den letzten 10 Jahren zu einem sehr modernen und innovativen Unternehmen entwickelt und sind mittlerweile eine der fortschrittlichsten Firmen der Branche. Trotzdem bleibt es am Ende eine Arbeit am und mit dem Kunden. Zudem sind und bleiben wir regional aufgestellt, um den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden erhalten zu können. Diese verlassen sich auf unsere Genauigkeit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit.

Neben dem Fertigungsprozess sind wir als nächstes das Thema der nachstationären Versorgung der Patienten angegangen. Damit diese gut versorgt sind, muss seitens der entlassenden Klinik eine qualifizierte Nachsorge abgesichert und nachgehalten werden. Zur Dokumentation dieser benötigen die Kliniken zahlreiche Informationen. Wir haben also im nächsten Schritt eine eigene App für die Wundversorgung entwickelt, in der die Daten und Arztbriefe seitens der Ärzte und Schwestern digital eingegeben und durch Bilder ergänzt werden können. Dies geschieht meist per Tablet in den Praxen oder beim Patienten zu Hause. Die Kliniken und Ärzte bekommen zum Nachweis diese Dokumentation der Wundversorgung zur Verfügung gestellt. Alles geschieht datenschutzkonform. Dies spart allen involvierten Parteien entlang des Versorgungsprozesses des Patienten viel Zeit, Informationen gehen nicht verloren und sind genauer, auf Grund der visuellen Unterstützung mit Bildern.

„Trotz aller Digitalisierung ist und bleibt unser Handwerk eine individuelle Arbeit am Kunden.“

Thomas Hänel-SchwarzGeschäftsführer, Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH

Aufwand

Natürlich sind die Kosten für die Digitalisierung nicht zu unterschätzen. Vor allem die Anschaffung von Equipment und in unserem Fall auch die Programmierung der App waren recht große Kostenpunkte, die es zu stemmen galt. Wenn wir aber den Zeitraum von 10 Jahren sehen, kamen diese Kosten sukzessive auf uns zu.

Bei der Frage nach der Amortisierung kann man dies sicherlich berechnen, wobei wir uns das Ganze auf vier bis fünf Jahre beziffern würden. Die Effekte, die auf Grund der Digitalisierung für unsere Mitarbeitenden eintraten, ergaben sich unmittelbar.

Unter diesem Gesichtspunkt hatten sich die Investitionen sofort bezahlt gemacht.

Hilfreiches

Als herausfordernd würde ich besonders die Digitalisierung in der Verwaltung sehen. Wir sind immer papierärmer in unseren internen Prozessen geworden. Wir haben ebenfalls die Zertifizierung für eine digitale Weiterleitung unserer Daten an das Finanzamt. Das Finanzamt muss allerdings das System als finanzamtsecht zertifizieren. Das geschieht nur selten. Daher wird an dieser Schnittstelle noch traditionelle Dokumentation gefordert. Des Weiteren beobachten wir in unserer Tätigkeit, dass die Kliniken bereits sehr weit in der Digitalisierung ihrer Prozesse sind. Hingegen sind es die niedergelassenen Ärzte oft nicht. Da erhalten wir häufig noch die Anfrage, ob Daten per Fax zugesendet werden können.

Wie in vielen Industrien ist auch bei uns das Thema der Schnittstellenbildung zwischen den Systemen eine schwierige Sache. Viele Unternehmen und Hersteller sitzen wie Könige auf ihren Systemen, was bei uns tatsächlich schon zum Scheitern des einen oder anderen Projektes mit Kunden und Partnern führte. Auch ist die Schnelllebigkeit in der Entwicklung neuer Technologien und Systeme zwar positiv, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben, jedoch ist dies gerade für ein mittelständisches Unternehmen wie unseres auch schwierig. Auf dem Laufenden zu bleiben, die aktuellen Systeme nutzen und bei Kunden bedienen zu können, ist dabei wirklich herausfordernd. Denn für diese Neuerungen in der Gänze ihrer Kurzlebigkeit braucht es auch immer IT-affine Mitarbeitende und die kontinuierliche Schulung dieser.

Lerneffekte

Die ganze Schnittstellenthematik ist optimierbar. Jedoch liegt das nicht nur in unserer Hand. Da plädieren wir auch allgemein an die Hersteller von Systemen, diese offener und breiter kompatibel zu gestalten. Dann wird auch die Anwendung für noch größere Kundenkreise attraktiv. Bei unseren Softwareprogrammen sind wir kontinuierlich am Nachschärfen und Optimieren, um die Qualität unserer Produkte fortlaufend hoch zu halten und abzusichern.

Durch all unsere Digitalisierungsprojekte haben wir gelernt, man muss dranbleiben. Es lohnt sich für die internen Prozesse, die Effizienz, für die Zufriedenheit unserer Kunden und natürlich die Motivation unserer Mitarbeitenden. Wie bei der Frage nach den Kostenaufwänden bereits angedeutet – bei der Amortisierung kann man nicht immer einen Zeitstempel dran packen. Klar haben sich die Anschaffungen nach vier oder fünf Jahren gerechnet. Aber für die Motivation der Mitarbeitenden durch die moderne Arbeitsumgebung und -bedingungen hat es sich unmittelbar gelohnt.

Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH

  • Kontaktperson:

    Thomas Hänel-Schwarz
    Geschäftsführer, Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH

  • Adresse:
    Orthopädie- und Rehatechnik Dresden GmbH
    Fetscherstraße 70
    01307 Dresden
  • Branchen:

    Handwerk / Medizintechnik

  • Mitarbeiter:

    >220 Beschäftigte

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