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Die 3. Dimension im Sattlereihandwerk

Eine Erfolgsgeschichte, erzählt von Thomas Büttner, Geschäftsführer der Sattlerei Thomas Büttner

Auslöser

In unserem Handwerksbetrieb stellen wir Reitsportsattel und weitere Produkte der Reitausrüstung für Pferde her. Spezialisiert sind wir jedoch seit langem auf Sättel. Neben unserem Handwerksbetrieb, betreiben wir ein Handelsgeschäft sowie einen Onlineshop. Der Schwerpunkt der Digitalisierung lag und liegt bei uns in der Herstellung individualisierter Pferdesättel. Jedes Pferd hat wie menschliche Füße, einen individuellen Rücken und daher Bedürfnisse an die entsprechenden Sättel, um tierschutzgerechten Reitsport zu ermöglichen. Dabei geht es vor allem um die Belastung des Pferderückens durch Druck beim Reiten und eben darum diesen so zu gestalten, ohne Schaden am Tier zu verursachen. Ein passgerechter Sattel war deshalb schon lange eine Herausforderung in unserem Handwerk. Die Vermessung des Pferderückens war immer ein großer Zeitfaktor. Realisiert haben wir dies früher, wie andere Sattlermeister dies bis heute tun, mittels eines biegegerechten Lineals oder eines Schweißdrahts, der über das Pferd gelegt wird. Die Formnahme hat dabei circa 30 Minuten und länger in Anspruch genommen.

Problematisch bei dem Verkauf von Pferdesätteln ist zudem häufig, dass eine falsche Passform der Sättel zu physischen Problemen des Pferderückens führt. Die genaue Passform zu ermöglichen, war ohne digitale Unterstützung, wie angemerkt, sehr zeitintensiv und umständlich.

Der Schlüssel zum Erfolg

Um dieses Problem zu lösen, nahmen wir uns die Human-Orthopädie zum Vorbild. Wir dachten uns, wenn in der Human-Medizin Fußsohlen gescannt werden können, um passgenaue Produkte zu fertigen, wieso sollte dies nicht auch im tierischen Bereich bei Pferdesätteln funktionieren. Wir haben daraufhin einen 3D-Scanner für Pferderücken entwickelt, der eine anatomisch genaue Herstellung eines Pferdesattels ermöglicht. Ergänzend zum Scanner nutzten wir zunächst einen physischen, mittlerweile aber auch digitalen Pferderückennachbilder, um die Sättel entsprechend planen und dann ausführen zu können. Zusätzlich haben wir in einen 3D-Drucker investiert, um zu den individualisierten Sätteln Zubehörteile passend drucken zu können. Die Synergieeffekte, die sich daraus ergeben, sind bereits effizient, aber natürlich noch nicht ausschöpfend genutzt. Für unsere Zwecke war es aber der richtige Weg, die Möglichkeiten der Technologie bisher bestmöglich zu nutzen.

Die individualisierten Sättel werden bei uns vor Auslieferung mit Chips versehen, sodass sie auch später mit all ihren Informationen, die bei uns im System hinterlegt sind, ausgelesen und zugeordnet werden können. Wichtig wird dies, da sich in der Produktlebenszeit und der Lebenszeit des Pferdes, durch Ernährung, Haltung und Trainingsprozess hinweg, spätestens nach ein oder zwei Jahren Veränderungen ergeben und Anpassungen vorgenommen werden müssen. Wir können dann anhand der Daten recht einfach reagieren und den Sattel verändern oder ein neues Produkt fertigen.

Durch den Einsatz der Technologie konnten wir natürlich auch unsere internen Prozesse vereinfachen. Es fahren zwar immer noch größtenteils Vertriebsmitarbeiter raus, die die Vermessung vornehmen. Jedoch ist es mittlerweile möglich, dass auch Pferdephysiotherapeuten oder -osteopathen die Pferderücken scannen und uns die Daten übermitteln. Für uns bedeutet dies am Ende in der Produktion weniger Nacharbeit und nach hinten heraus weniger Reklamationen durch höhere Passgenauigkeit unserer Produkte auf Grund gesteigerter Qualität.

Unsere Mitarbeiter waren den Neuerungen aufgeschlossen, interessiert und haben mitgezogen. Nachschulungen bei unseren Angestellten haben sich dabei in Grenzen gehalten. Die Übersetzung der technischen Daten aus der Vermessungssoftware übernimmt bei uns eine studentische Hilfskraft der TU Görlitz, um die Informationen für unsere Produktionen adäquat zu übersetzen. Zukünftig wollen wir unsere Prozesse insofern weiter digitalisieren, dass wir papierärmer arbeiten. Vor allem in der Bestellabwicklung sowie in der gesamten Informationsweitergabe innerhalb der Firma, wollen wir zunehmend papierlos agieren. Weitere Bereiche sind für uns die Vereinbarung von Sattelterminen sowie die zunehmende Verwendung von Sensorik in den Sätteln. Dadurch werden wir einen großen Nutzen in der Reitsteuerung ermöglichen, um weiterhin ungewollten Druck auf das Pferd in seiner Physiologie zu verringern und somit einen tierschutzgerechteren Reitsport realisieren zu können.

„Als ich begonnen habe über diese Lösung nachzudenken, hab ich gesagt „irgendwann will ich das erleben“, dass ich mein Handy über das Pferd halte und den Pferderücken scannen kann. Da war das noch Illusion. Es ging noch nicht und musste kalibriert werden usw. Jetzt geht es. Das fasziniert mich technisch bis heute.“

Thomas BüttnerGeschäftsführer, Sattlerei Thomas Büttner

Aufwand

Die Aufwendungen zur Realisierung unserer Digitalisierungsvorhaben sind schwer zu beziffern, da sie kontinuierlich und aus dem laufenden Geschäft her entstanden und größtenteils finanziert wurden. Dennoch haben wir für die Entwicklung der Technologie selbst Fördermittel über die Sächsische Aufbaubank (SAB) erhalten und ein ZIM-Projekt (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) realisiert.

Hilfreiches

In unserem Betrieb arbeiten wir als interessiertes und aufgeschlossenes Team zusammen. Dies ermöglichte es uns, das Innovationspotential als Wettbewerbsvorteil wahrzunehmen. Die Idee wurde durch die Betriebsleitung an das Team getragen. Alle sind davon überzeugt, dass die Integration von digitalen Business-Model-Innovationen, bei richtiger Implementation, einen positiven Effekt auf das Unternehmen und seine Stakeholder hat. Als KMU sollte einem bewusst sein, dass eine solche Veränderung des Unternehmens einen Prozess darstellt, indem immer neue Erfahrungswerte geschaffen werden.

Uns hat unglaublich geholfen und teils überrascht, dass sich durch die Digitalisierung auch die Distanz zu unseren Kunden verkürzt hat. So können mittlerweile für eine erste Einschätzung auch Videos aufgenommen werden. Zu Pandemiezeiten hatten wir nun auch über Facetime oder andere virtuelle Kommunikationsmedien wie Microsoft Teams Kontakt zu unseren Kunden und Ansichten zu Reitverhalten etc.

Vor allem im recht konservativen Handwerk der Sattler können so mittlerweile über ein mobiles Endgerät praktisch und erschwinglich Produkte und Lösungen angeboten werden. Dies dann auch für ein breiteres Kundenspektrum als bisher. Das hat uns vor allem der Onlineshop gezeigt. Konkurrenten und dabei vor allem größere Unternehmen haben sich diese Lösung bisher noch nicht erschlossen. Zumeist ist dies mit Produktionen von 50-70 Sätteln am Tag bisher noch nicht relevant. Jedoch gerade für regional tätige, kleinere Firmen, ist dies eine sinnvolle Variante ihr Geschäft zu digitalisieren. Dies gilt auch für die Nutzung anderer Technologien und anderer Gewerke.

Lerneffekte

Herausfordernd war hinsichtlich der fachlichen Kompetenz die Übertragung der Daten aus der Autocat-Software in unsere Produktionsdaten und die dafür notwendige Informationsgrundlage. Wir haben uns jedoch dafür eine studentische Hilfskraft in die Firma geholt, der dies übernimmt. Externe Hilfe einzuholen ist damit ein Schlüssel für die Realisierung unseres Vorhabens gewesen. Darüber hinaus würde ich auch alles genauso wieder tun. Unser Unternehmen hat frühzeitig die Herausforderungen und Möglichkeiten erkannt.

„Sattlerei Thomas Büttner“

  • Kontaktperson:

    Thomas Büttner
    Geschäftsführer, Sattlerei Thomas Büttner

  • Adresse:
    Sattlerei Thomas Büttner
    Kesselsdorfer Str. 212
    01169 Dresden
  • Branchen:

    Handwerk

  • Mitarbeiter:

    20 Beschäftigte

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